JobCenter Essen: Über 30.000 „Einzelfälle“

„So wie ich jedes Jahr aufs Neue von Weihnachten überrascht werde, so sehr überrascht anscheinend der Jahreswechsel das JobCenter Essen“, wundert sich Schöner Links-Ratsfrau Anabel Jujol. „Wie anders ist zu erklären, dass mehr als 30.000 Essener Haushalte im Hartz4-Bezug ihre Leistungsbescheide mit der Regelsatzänderung erst mit fünfwöchiger Verspätung zugestellt bekommen haben?“

Hinweise von Ehrenamtlichen und Nachfragen der Presse ergaben, dass das JobCenter Essen in über 30.000 „Einzelfällen“ Bescheide, die auf den 16. Dezember 2016 datiert waren, erst am 24. Januar 2017 verschickt hatte. Damit wäre die übliche Widerspruchsfrist bereits bei Erhalt des Bescheides abgelaufen. Ein Umstand, der bei Leistungsberechtigten Unsicherheit und Stress auslöste und in der Behörde noch einiges an Chaos nach sich ziehen kann.[1]

„Es ist mir vor allem unverständlich, dass das JobCenter nicht von sich aus die Leistungsberechtigten informiert hat“, erklärt Jujol weiter. „Ein klärender Hinweis auf der Homepage oder eine kurze Info an die Presse wäre das Mindeste gewesen.“

Bedauerlich ist, dass diese „Panne“ bereits zu wiederholten Mal passiert ist. Schöner Links wird nachfragen, wie sich die Behörde auf den nächsten plötzlichen Jahreswechsel vorbereiten will und schlägt vor, sich an Weihnachten zu orientieren.

[1] Beispiel:

Änderungsbescheid vom „16.12.16“ am 24.01.17 bekannt gegeben
für Januar bis März 2017 als Bewilligungszeitraum [BWZ], Anspruch 500 Euro.

Änderungsbescheid vom 13.01.17 am 15.01.17 bekannt gegeben,
BWZ ebenfalls Januar bis März 2017, Anspruch 600 Euro.

Welcher Bescheid ist nun gültig? Ergebnis: Selbst gemachtes Chaos.

 

Berichterstattung der NRZ Essen vom 7. Februar 2017:
http://www.nrz.de/staedte/essen/das-jobcenter-essen-kommt-mit-der-vielen-post-nicht-nach-id209522967.html

Veröffentlicht in: Neues

2 Gedanken zu „JobCenter Essen: Über 30.000 „Einzelfälle“

  1. Tanja Gwiasda sagt:

    Die Widerspruchsfrist beginnt erst mit Erhalt des Briefes an zu laufen.
    Briefumschlag aufbewahren, Zugangsdatum darauf handschriftlich vermerken.
    Der Poststempel müsste auch auf den Briefumschlägen sein, da ist dann ja ein anderes Datum als in den Bescheiden selber.

    • Jörg Bütefür sagt:

      Ganz genau!

      Interessant ist folgender Fall, den ich heute hatte:
      Bescheid vom 14.1. ging am 16.1.2017 zu
      Bescheid vom 16.12.2016 am 25.1.2017
      Sorgt dann doch für Irritationen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.