Medizintourismus: Wollen wir das wirklich

Wenige Tage nach der Ratssitzung erreichte uns folgender Gastkommentar eines derzeit in einem Entwicklungsland praktizierenden Mediziners.

Medical Tourism sign with a beach on background

Medizintourismus: Wollen wir das wirklich ?

Wollen wir wirklich, dass Medizin zu einem reinen Geschäft verkommt. Wollen wir, das „internationale Patienten“ in unseren Krankenhäusern bevorzugt behandelt werden, weil sie dem Krankenhaus mehr Geld erbringen als einheimische Kassenpatienten? Soll die Stadt eine solche Entwicklung auch noch mit Steuergeldern fördern? Schlimm genug, dass wenn man als Arzt die Laborwerte nachsehen möchte, in der Ecke des Bildschirms immer die Ampel sieht, die einem anzeigt, ob der Patient bereits mehr kostet, als das Krankenhaus mit ihm erwirtschaftet, oder ob es ein „guter Patient“ ist, an dem das Krankenhaus verdient. Noch wird zumindest in den kirchlichen und kommunalen Krankenhäusern eine gewisse Zurückhaltung geübt, ökonomische Überlegungen über medizinische Überlegungen zu stellen. Aber die Tatsache, dass die Entwickler von Krankenhaussoftware solche Ampeln entwickeln, zeigt, was uns in Zukunft droht. Nun will also die Stadt auch noch fördern, dass der Kassenpatient neben dem deutschen Privatpatienten noch einen weitere Konkurrenten um die Ressourcen des Krankenhauses bekommt: Den Internationalen Patienten. Hier werden Steuergelder verwendet, um den Reichen, vor allem aus Russland und den arabischen Staaten, eine Vorzugsbehandlung in unseren Krankenhäusern zu ermöglichen. Gleichzeitig werben wir aus diesen Ländern die Ärzte ab, da es nicht mehr genügend deutsche Ärzte gibt. Wir tragen also dazu bei, dass dort das Gesundheitssystem geschwächt wird, und werben dann um die Reichen aus eben diesen Ländern, damit sie  sich bei uns behandeln lassen.

 

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