Essen: Wohnen muss sich wieder lohnen?

Es bleibt kein Zweifel: Liest man die aktuellen Meldungen zu Einkommen in Essen und dazu noch die regelmäßigen Sozialberichte ist klar, Essen spielt nicht nur im Fußball in der vierten Liga.

„Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei unter zwanzigtausend Euro, die Hälfte aller gut bezahlten und qualifizierten Jobs wird von Pendlern aus dem Umland besetzt. Der Dienstleistungssektor ist von Niedriglöhnen geprägt und hat achtzig Prozent aller gut dotierten Industriearbeitsplätze ersetzt. Der Schuldenberg wächst, die Unterfinanzierung der Kommune führt zu Stellenabbau und Lohndumping“, fasst Anabel Jujol, Ratsfrau von Schöner Links, zusammen. „Soweit zum Thema Strukturwandel.“

In dem Vorschlag des DGB-Vorsitzenden Hillebrand, Essen möge mehr dafür tun, dass sich Pendler auch zum Wohnen in der Stadt entscheiden, sieht Schöner Links keine Lösung. „Außer, dass ein Großteil der Philharmonie- und Aalto-Besucher nicht mehr so weite Wege hätte, brächte das nichts. Das mag ökologisch sinnvoll sein, geht aber am Kern des Problems vorbei“, so Jujol.

Die Stadt Essen trägt selbst zu niedrigen Löhnen bei. Sei es durch fehlende oder schlechte Tarife bei der Stadt und ihren Töchtern, oder dadurch, dass Aufträge an Firmen, die Lohndumping betreiben, vergeben werden.“

Schöner Links schlägt vor, die schwarze Null mal hinten an stehen zu lassen, vielmehr sollten die Stadt und ihre Töchter eine Vorbildfunktion übernehmen. Konkret hieße das, ihre eigenen Beschäftigten nach fairen Tarifen zu bezahlen und bei der Vergabe von Aufträgen an private Dienstleister auf Tariftreue und arbeitnehmerfreundliche Konditionen zu achten. „Wer ausbildet, gerecht bezahlt und Konzepte zur Kinderbetreuung und Inklusion umsetzt, muss mit Aufträgen belohnt werden. Dann klappt’s auch mit dem Strukturwandel“, fordert Jujol.

Ist das keine schöne Vision?

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