Lohnt sich das?

„Erfolgsmodell“ Ein-Euro-Jobs: Gestern wurde im Sozialausschuss derBericht des JobCenters Essen zur so genannten Gemeinwohlarbeit vorgestellt.

Als ein „Fallbeispiel“ wurde in dem Bericht „Herr M.“ angeführt, der Kitas mit Essen beliefert.
Das wirft spontan die Frage auf, inwieweit diese Tätigkeit „zusätzlich“ ist.
Konkret: Würde die Auslieferung des Essens ohne den Einsatz der Ein-Euro-Jober „sonst nicht, nicht in diesem Umfang oder erst zu einem späteren Zeitpunkt“ erfolgen?

Sprich, müssten die lieber Kleinen hungern, wenn keine Ein-Euro-Jobber
für die Belieferung eingesetzt würden?

Doch ohnehin stellt sich angesichts der nicht unerheblichen Kosten die
Frage, für wen sich die Ein-Euro-Jobs eigentlich lohnen.
Hier eine paar Zahlen:

Bericht des JobCenters Essen zur Gemeinwohlarbeit 2014 – eine kleine Zusammenstellung

Maßnahmeteilnehmer im Jahr 2014
4.613
Seite 15

Vermittlungen in 1. Arbeitsmarkt
160
5,4%
Seite 24
davon sozialversicherungspflichtig
110
3,7%
Seite 24

davon nachhaltig
47
42,8%
Seite 52

Von 4.613 Maßnahmeteilnehmern im Jahr 2014 wurden 47 nachhaltig in eine
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt
vermittelt.

eingesetzte Mittel für AGH in 2014
16.800.000 €
Seite 9
pro nachhaltiger Vermittlung
358.045 €

„Die Gemeinwohlarbeit in Essen und das damit verbundene
Fachstellenkonzept bleiben […] ein Erfolgsmodell und haben sich auch in
2014 bewährt.“ – Seite 52

Abbrecher
1.292
28,0%
Seite 25
Beendigung wegen Krankheit
33
7,3%
Seite 25

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Im Jahr 2014 wurden 16,8
Mio. Euro an Bundesmitteln aufgewendet, um unterm Strich 47 Personen
nachhaltig in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu
vermitteln. Pro Vermittlung macht das rund 358.000,- Euro. Für das
gleiche Geld könnten bei der Stadtverwaltung 400 reguläre
Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden. Nicht, dass die Stadt Essen das
entscheiden könnte und hier eine Wahlfreiheit hätte, schließlich handelt
sich um Gelder des Bundes.

Bei den 47 in reguläre Arbeit gebrachten Personen ist nicht einmal
bekannt, ob das erzielte Einkommen ausreicht, um ohne zusätzliche
(Sozial-)Leistungen über die Runden zu kommen (Stichwort „Aufstocker“).

Rund um diese Versuche, Hartz4-Berechtigte in Arbeit zu bringen, ist im
Laufe der Jahre auch in Essen eine regelrechte Beschäftigungsindustrie
entstanden, die ihrerseits etliche Menschen beschäftigt. Diese
Beschäftigungsindustrie ist darauf angewiesen, dass Hartz4-Berechtigte
beschäftigt werden müssen – denn sonst wären sie selber ohne Beschäftigung.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Die Kritik des Bundesrechnungshofes, der
2010 die Ein-Euro-Jobs massiv kritisiert hat, ist in den wesentlichen
Punkten nach wie vor aktuell.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hartz-iv-maengel-bei-der-arbeitsvermittlung-rechnungshof-giftet-gegen-ein-euro-jobs-1.1023715

 

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